Vernetzungstreffen 02/16

Dokumentation des ersten Vernetzungstreffens am 10. Februar 2016

Das Treffen fand mit etwa 25 Teilnehmenden statt. Zu Beginn stellten wir unser Projektteam, das Projekt und seine Rahmenbedingungen vor. Wir erläuterten unser Verständnis von institutioneller (Mehrfach)Diskriminierung und Rassismus und erklärten anhand von Interview-Beispielen, wo wir institutionelle Diskriminierung an Berliner Schulen sehen und warum wir eine breitere Auseinandersetzung darüber vor Ort wichtig finden (s. Präsentation). In der anschließenden Gruppenarbeit gab es Raum für Austausch persönlicher Erfahrungen und für Ideen, welche (weiteren) Maßnahmen gegen institutionelle Diskriminierungen notwendig und denkbar sind. Schließlich überlegten wir gemeinsam, welche Inhalte und Methoden in die geplante Fachtagung eingebracht werden und wer die Zielgruppen einer solchen Tagung sein sollten. Jede Gruppe hielt ihre Ergebnisse auf einer Stellwand fest (s.u.). Am Ende des Treffens wurden die Ergebnisse vorgestellt und kurz gemeinsam diskutiert sowie ein Ausblick auf das nächste Treffen gegeben. 

Folgende Diskussionspunkte/-fragen waren u.a. Thema in den Gruppen:

  • Grundlegend für eine Beschäftigung mit Rassismus und Diskriminierung ist Wissen darüber, erst Wissen schafft Handlungsspielräume. 
  • Diskriminierung geschieht häufig unbewusst. Auf die Verschränkungen von Diskriminierung und Rassismus mit alltäglichem Handeln, institutionellen Routinen, politischen Gegebenheiten und diskursiven Normalitäten gilt es aufmerksam zu machen. Dabei muss auch die eigene Verstrickung in diskriminierende Verhältnisse vor Ort erkannt und reflektiert werden. Es gilt somit auch die Frage zu stellen: „Wem nützt institutionelle Diskriminierung?“ 
  • Wie vollziehen sich Prozesse der Andersmachung (Othering) von bestimmten Eltern, Schüler*innen, Lehrer*innen? Wie kommt es, dass Schüler*innen die Schule als Berliner Kinder und Jugendliche betreten und spätestens ab der 2. Klasse zu Türk*innen/Migrant*innen/Muslime*a etc. (gemacht) werden? Welche Rolle spielen hierbei weitere Akteure neben der Schule, wie die Polizei, das Quartiersmanagement, der Sportverein, lokale Bildungsträger usw. 
  • Es gibt aktuell viel „Feigenblattarbeit“ in Form einzelner, zeitlich eng befristeter Projekte z.B. an Schulen, aber im Ganzen ändert sich nicht viel. 
  • Einzelne Engagierte, z.B. Lehrer*innen, können an institutioneller Diskriminierung wenig in Eigenregie ändern, es bedarf einer umfassenderen Umgestaltung von (schulischen) Prozessen und organisationalen wie strukturellen Rahmenbedingungen. Druck auf Politik und Behörden ist hierfür notwendig. 
  • Veränderung muss gesellschaftspolitisch gewollt werden. Hierfür muss an einer gemeinsamen Haltung/einem kollektiven Bewusstsein in Bezug auf diskriminierende und rassistische Verhältnisse, Prozesse und Erfahrungen gearbeitet werden. In diesem Zusammenhang erscheint auch eine kritische Reflexion der Ziele von Schule, des Schulsystems und von Bildung insgesamt notwendig. 
  • Schüler*innen haben derzeit keinen Schutz vor Diskriminierung, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) greift an Berliner Schulen für Schüler*innen und Eltern nicht, es fehlt an einer unabhängigen Beschwerdestelle. 
  • Wie kann auf der Fachtagung der ‚Spagat’ gelingen, auf der einen Seite lokale Akteure und Multiplikator_innen hinsichtlich institutioneller (Mehrfach-)Diskriminierung vor Ort zu sensibilisieren bzw. zu empowern, auf der anderen Seite Politik und Behörden mit diesbzgl. Forderungen zu adressieren? Ist beides im Rahmen der geplanten Tagung überhaupt möglich?
  • Was machen wir mit den Ergebnissen, was sind die Ziele der Tagung? Auf dem nächsten Netzwerktreffen wäre es interessant – vor dem Hintergrund des Wissens/der Erfahrung bestehender Initiative bzw. der Netzwerkpartner_innen –, zu diskutieren, wie eine nachhaltige und wirksame Auseinandersetzung mit institutioneller Diskriminierung vor Ort – über die Tagung hinaus – aussehen kann bzw. aktuelle bereits aussieht und wo hier angeknüpft werden kann.

Auf Grundlage dieser Fragen und Ideen sowie der vielfältigen Interessensbekundungen, an der Tagung mitzuwirken, werden wir in den nächsten Wochen an einer ersten Tagungskonzeption arbeiten. Diese möchten wir spätestens auf dem nächsten Netzwerktreffen vor- und zur Diskussion stellen. 

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