Tagungsdokumentation

Die Fachtagung „Institutionelle Diskriminierung 
in Berliner Schule und Nachbarschaft“ – Rückblick und Ausblick

Am 16./17. September 2016 fand – unterstützt von der Hans-Böckler-Stiftung, der GEW Berlin sowie der RAA Berlin – die Fachtagung „Institutionelle Diskriminierung in Berliner Schule und Nachbarschaft“ statt. Auf der Tagung im Familienzentrum an der Adalbertstraße in Berlin-Kreuzberg kamen an die hundert Teilnehmer_innen zusammen – darunter Lehrer_innen, Referendar_innen, Studierende, Eltern, Vertreter_innen von Migrantenorganisationen, Wissenschaftler_innen und Schulsozialarbeiter_innen sowie über 30 Referent_innen aus dem Bereich der Antidiskriminierungsarbeit.

Die Tagung haben wir von der Initiative „Schule – Rassismus – Stadt“ im Austausch mit IMG_3081 (1)Vertreter_innen verschiedenen Berliner Initiativen, Eltern und weiteren engagierten Akteur_innen sowie im Rahmen eines Workshops für angehende Berliner Lehrer_innen entwickelt und organisiert. Dabei bestand ein weitgehender Konsens darin, dass wenn wir dazu beitragen wollen, institutionelle Diskriminierung in Schule und Gesellschaft abzubauen, es einer Sensibilisierung für und Sichtbarmachung von institutioneller Diskriminierung sowie konkreter Ansätze zur Umgestaltung institutioneller Prozesse bedarf. Denn Veränderung setzt eine gemeinsame Haltung und ein kollektives Bewusstsein für diskriminierende und rassistische Verhältnisse, Strukturen und damit verbundene Erfahrungen voraus. Dazu – so wurde auf den Vorbereitungstreffen diskutiert – ist auch der Blick über den eigenen Erfahrungs- und Arbeitsalltag hinaus notwendig und eine Auseinandersetzung mit Fragen wie: Wie kommt es eigentlich, dass Schüler_innen die Schule als Berliner Kinder und Jugendliche betreten und spätestens ab der 2. Klasse zu Türk_innen/Migrant_innen/Muslim_innen etc. (gemacht) werden? Wie äußern sich institutionelle Diskriminierung und Rassismus in Berliner Schulen und Nachbarschaften? Welche konkreten Erfahrungen sind damit verbunden? Wie hängen diese mit aktuellen politischen Entwicklungen zusammen? Und was braucht es letztlich, um einen umfassenden Schutz vor Diskriminierung in Schule und im Kontext der Schule zu gewährleisen und zu institutionalisieren?

Auf der Tagung haben wir diese Fragen aufgegriffen sowie unterschiedliche Perspektiven auf das Thema der institutionellen Diskriminierung zusammengetragen, gemeinsam weitere Erkenntnisse hierzu gesammelt und erarbeitet, bestehende Handlungsansätze besprochen und gestärkt sowie die Vernetzung und Bündnisbildung zum Thema angeregt.

Tagungsrückblick & Einrichtung eines Email-Verteilers

Um einige der Themen, Perspektiven, Impressionen und Diskussionen des Wochenendes einzufangen, IMG_3052haben wir auf dieser Seite einige Fragmente der Tagung in Form von Texten, Links, Videos, Fotos, Präsentationen und Audiomitschnitten zusammengetragen. Die vielen positiven Rückmeldungen sowie die zahlreichen Anfragen, die wir auch jetzt noch über die Projekthomepage bekommen, zeigen uns, dass es großen Bedarf an einem Raum für Austausch, weitere Vernetzung und gemeinsames Handeln zu den Tagungsthemen gibt. Um die gemeinsame Kommunikation für alle Interessierten zu ermöglichen, haben wir einen E-Mail-Verteiler eingerichtet. Wie ihr euch in diesen eintragen könnt, erfahrt ihr am Ende der Seite.

Unser großer Dank gilt allen Referent_innen, Workshopleiter_innen & Initiativen sowie allen
Teilnehmer_innen unserer Fachtagung! Wir haben die gemeinschaftlichen und inspirierenden Tage, die anregenden Gespräche und Begegnungen mit euch sehr geschätzt und freuen uns, die Diskussionen und Aktionen bald an anderer Stelle mit euch weiterzuführen.

Bis dahin, herzliche Grüße

Die Initiative „Schule – Rassismus – Stadt“
(Seyran Bostancı, Isabel Dean, Ellen Kollender, Hanna Mai & Lili Rebstock)


Tagungsrückblick Freitag…

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Nach einer kurzen Begrüßung durch die Initiative „Schule – Rassismus – Stadt“ (Begrüßungsrede), wurde die Tagung am Freitag mit einem Impulsvortrag von Mechtild Gomolla zu den Fragen „Was ist  institutionelle Diskriminierung und wie äußert sie sich in Schule und Nachbarschaft?“ eingeleitet:

  • Powerpointpräsentation zum Vortrag „Institutionelle Diskriminierung im schulischen Bildungssystem. Begriffsdefinition, empirische Forschungsergebnisse und Handlungsperspektiven“
  • Artikel zu Diskriminierung in Schule und Bildungssystem von Mechtild Gomolla (eine gekürzte Version dieses Textes ist erschienen in: Paul Mecheril (Hrsg.) unter Mitarbeit von Veronika Kourabas und Matthias Rangger, Handbuch Migrationspädagogik © 2016 Beltz Verlag · Weinheim und Basel, Buchcover)
  • Evaluationsbericht zur Hamburger Lehrer_innenfortbildung „Qualitätsentwicklung von Schulen in der Einwanderungsgesellschaft: Qualifizierung zur interkulturellen Koordination“ (Mechtild Gomolla / Dorothee Schwendowius / Ellen Kollender 2016)

An den Vortrag schloss eine Podiumsdiskussion an, in der unterschiedliche Perspektiven auf dasIMG_3033 Thema der institutionellen Diskriminierung zusammengebracht wurden. An der Diskussion nahmen, neben Mechtild Gomolla, folgende Akteur_innen teil (die Links zu den Websites der Akteur_innen & Initiativen sind farbig hinterlegt):

In der von Natascha Salehi-Shahnian moderierten Runde wurde deutlich, welche Dimensionen institutionelle Diskriminierung in den verschiedenen Bereichen entwickeln kann, welche vielfältigen (Diskriminierungs-)Erfahrungen damit verbunden sind, wie lange der Kampf hiergegen vor allem in Berlin bereits geführt wird, aber auch welche Lichtblicke bspw. hinsichtlich der Einrichtung einer unabhängigen Beschwerdestelle sowie empowernder Angebote für Jugendliche – wie EOTO–, es andererseits in Bereich bereits gibt. Einen (ganz) kleinen Auszug aus der Diskussion seht ihr hier:


Gerahmt wurde die Podiumsdiskussion von einer Poetry-Slam Performance von Ilhan, Mitglied der Gruppe i,Slam. Einen Auszug seiner Performance könnt ihr hier sehen:


Die Tagung wurde zudem begleitet von einer Ausstellung zu „Racial Profiling“, die von OUTREACH Berlin gemeinsam mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen erarbeitet wurde.


Tagungsrückblick Samstag…

Der Tagungs-Samstag begann mit einem Impulsvortrag von Juliane Karakayalı zu den Fragen „Rassismus – Wie bahnt er sich seinen Weg in Schule und Nachbarschaft? Wie hat er sich im Laufe der Zeit gewandelt? Welche strukturellen Ausschlüsse gehen damit einher?“. Im Vortrag und der anschließenden Diskussion ging es insbesondere um (strukturelle) Ursachen für rassistische Diskriminierung und damit verbundene Segregationsprozesse an innerstädtischen Schulen Berlins.

In einer an den Vortrag anschließenden ersten Workshopphase wurde sich – moderiert von verschiedenen Initiativen und Akteur_innen – vertiefend mit folgenden Themen auseinandergesetzt (eine Kurzbeschreibung der Workshops findet ihr hier):

  1. Institutioneller Kolonial_Rassismus in Schule und Unterricht – Josephine Apraku und Jule Bönkost, Institut für diskriminierungsfreie Bildung (IDB) // einen kurzen Bericht zum Workshop findet ihr hier
  2. Institutionelle Diskriminierung von Eltern – Partizipationsrechte und Empowerment – Turgut Hüner und Peter Lischke, Türkischer Elternverein Berlin-Brandenburg (TBB)
  3. Forumtheater-Workshop zur Sensibilisierung gegen Diskriminierung von Romn_ja – JugendlicheDSC_0946 der Kinder- und Jugendtheatergruppe So keres?
  4. Struktureller Rassismus und der Mordfall Burak B. in Neukölln: Kampf um Aufklärung und
    Erinnerung – Mitglieder der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B. // einen kurzen Bericht zum Workshop findet ihr hier
  5. Wie wirken sich verschiedene Diskriminierungsformen an Schulen aus und wie muss ein
    umfassender Diskriminierungsschutz gestaltet werden? – Aliyeh Yegane und Julia Mi-ri Lehmann, Anlaufstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen (ADAS)
  6. Willkommenskultur in Berliner Schulen? Bildungsrechte und -chancen von geflüchteten Kindern und Jugendlichen – Guido Siegel, Landesausschuss für Migration, Diversität &
    Antidiskriminierung
    in der GEW-Berlin // einen Zeitungsartikel zum Workshop findet ihr hier

Nach der Mittagspause mit einem Catering des lokalen Mütterprojekts Kiezanker e.V., stand mit dem Impulsvortrag von Noa Ha das Thema „Stadt“ im Mittelpunkt. In Ihrem Vortrag beschäftigte sie sich IMG_3059 (1)u.a. mit den Fragen, welche Effekte  Wohnungsmarktpolitik, Aufwertungsdiskurs und Diskussionen um ‚Ghettoisierung‘ und ‚ethnische Durchmischung‘ auf Schule und Nachbarschaft haben und welche diskriminierenden Konsequenzen damit einhergehen (können). Im Vortrag wurde deutlich, dass es für eine inklusive Schule- und Sozialraumentwicklung notwendig ist, eine neoliberale Stadtentwicklung und damit verbundene Ausschlüsse und institutionelle Diskriminierung an Schulen zusammenzudenken. Der Vortrag von Noa Ha kann hier angehört werden:


Im Anschluss an den Vortrag fand eine zweite Workshopphase statt, in der sich u.a. mit Konsequenzen einer „neoliberalen Stadtentwicklung“ in Berlin auf Schule und Nachbarschaft weiter beschäftigt werden konnte (die Links zu den Websites der Akteur_innen & Initiativen sind farbig hinterlegt; eine Kurzbeschreibung der Workshops findet ihr hier):

  1. Diversität und Interkultur im Mietenprotest – Rundgang mit der Mietergemeinschaft Kotti & Co.
  2. Neukölln zwischen Stereotyp und Selbstwahrnehmung – Rundgang mit Emine Elci, Neuköllnerin, (Stadtteil-)Mutter und Mitarbeiterin von Kultur bewegt e.V.IMG_3067
  3. Rechtliche und strukturelle Diskriminierungen und Hürden beim Zugang zu Bildung für Geflüchtete – Mohammed Jouni von Jugendliche ohne Grenzen
  4. Da der Workshop „Mehrsprachigkeit, Empowerment & Be-Stimmen: Interventionen gegen Diskriminierung von (geflüchteten) Kindern und Jugendlichen entwickeln – alle sind gefragt“ von J.K. Langford kurzfristig ausfiel, erklärten sich Nele Kontzi und Halil Can spontan bereit, eine Austauschrunde zum Thema anzubieten
  5. #Beschwerdestelle#Schule#Kita – Argumente für eine unabhängige Beschwerdestelle gegen Diskriminierung in Schule und Kita in Berlin – Maryam Haschemi Yekani und Carsten Ilius, Rechtsanwält_innen und BeNeDisk-Mitglieder

IMG_3072Die Tagung haben wir mit einer Fishbowl beendet, bei der alle Anwesenden die Möglichkeit hatten, ihre
Eindrücke von der Tagung, Vernetzungs- und Kontaktwünsche oder Pläne für das weitere (gemeinsame) Vorgehen gegen instutitionelle Diskriminierung zu teilen. Hier wurden teils sehr persönliche Statements gemacht sowie konkrete Ideen zur weiteren Arbeit und Vernetzung gesammelt. Auch um diese Ideen erneut einzubringen und sich hierüber in großer oder kleiner Runder weiter auszutauschen, möchten wir alle Interessierten herzlich einladen, sich in unten stehenden Verteiler einzutragen…


Werde Teil des SRS-Verteilers…

Um dich in den Emailverteiler einzutragen, sende bitte eine Mail an:

schule-rassismus-stadt-subscribe@lists.riseup.net

IMG_3029Du erhältst anschließend eine Mail, die du beantworten musst, um in den Verteiler aufgenommen zu werden. Ab dann hast du die Möglichkeit, an den Verteiler zu schreiben* und deine Fragen, Ideen, Informationen, Aufrufe etc. zum Thema (institutionelle) Diskriminierung in Berliner Schule und Nachbarschaft zu teilen. Wir freuen uns darauf mit dir/euch in Kontakt zu bleiben!

* hierfür einfach den vollständigen Verteilernamen (schule-rassismus-stadt-subscribe@lists.riseup.net) in die Adresszeile eingeben.

Bei Rückfragen oder Anregungen schreibt uns gerne an srs-initiative@gmx.de