Workshops

11:00 Uhr: Workshop-Phase I

1. Institutioneller Kolonial_Rassismus in Schule und Unterricht
Josephine Apraku und Jule Bönkost, Institut für diskriminierungsfreie Bildung (IDB)

Als „Normalität“ durchzieht Rassismus unseren Alltag nicht nur auf individueller Ebene, sondern auch auf institutioneller Ebene. Um Rassismus in der Schule entgegenzuwirken, reicht es deshalb nicht aus, eigene Einstellungen und Handlungen zu hinterfragen und zu verändern. In den Blick genommen werden muss auch die Schule als Organisation. Auch sie kann auf vielfältige Weise rassismusrelevante Unterscheidungspraktiken und Ausschlüsse bedingen.

Der Workshop thematisiert die rassistischen Diskriminierungen, die die Schule als Einrichtung – etwa mit ihren Routinen, Regelungen und Normen – erzeugt. Dabei steht Kolonialrassismus gegen Schwarze Menschen in Deutschland im Mittelpunkt. Ziel ist es, das Bewusstsein für (kolonial)rassistische Ausgrenzungen der Schule zu schärfen, die über individuelle Handlungen hinaus gehen. Gemeinsam werden existierende Benachteiligungen ausgemacht sowie Ansatzpunkte für mögliche Veränderungen ausgelotet und Handlungsstrategien erarbeitet. Damit bietet der Workshop Denkanstöße und sensibilisiert für die unterschiedlichen Ebenen, auf denen sich (Kolonial-)Rassismus im Schulalltag ausdrücken kann.

2. Institutionelle Diskriminierung von Eltern – Partizipationsrechte und Empowerment
Turgut Hüner und Peter Lischke, Türkischer Elternverein Berlin-Brandenburg (TBB)

Der Türkische Elternverein setzt sich seit über 30 Jahren für den Abbau von (institutioneller) Diskriminierung sowie gleiche Rechte und Chancengleichheit an Berliner Schulen ein. In der Vergangenheit hat der Verein u.a. schulstrukturelle Veränderungsprozesse wie die Abschaffung der Ausländerregelklassen, die Gründung deutsch-türkischer Europaschulen, die Auflösung des dreigliedrigen Schulsystems sowie die verstärkte Einstellung von Lehrkräften mit Migrationsgeschichte an Berliner Schulen aktiv unterstützt. Im Zentrum des Engagements des Elternvereins steht die Verbesserung der Beteiligungsrechte von Eltern in den Gremien sowie ihre verstärkte Teilhabe am schulischen Leben.

Im Workshop werden Turgut Hüner, Mitarbeiter des Elternvereins, sowie Peter Lischke, stellvertretender Vereinsvorsitzender, über die im Rahmen ihrer Arbeit beobachtete institutionelle Diskriminierung an Berliner Schulen berichten. Im Zentrum des Workshops stehen zudem zentrale elterliche Partizipationsrechte sowie Möglichkeiten für Eltern, diese an ihrer Schule wahrzunehmen und einzufordern. Es sollen zudem die Arbeit des TBB, aktuelle Projekte sowie Vorschläge und Forderungen des Vereins vorgestellt werden, insbesondere hinsichtlich gleicher Rechte und Chancengleichheit für sozialökonomisch benachteiligte Familien und ihre Kinder an Berliner Schulen.

3. Forumtheater-Workshop zur Sensibilisierung gegen Diskriminierung von Romn_ja
Jugendliche der Kinder- und Jugendtheatergruppe So keres?

Wir, die Kinder- und Jugendtheatergruppe ‚So keres?‘ haben uns zusammengefunden um etwas gegen alltägliche Diskriminierungen zu unternehmen. ‚So keres?‘ ist Romanes und bedeutet: ‚Was machst du?‘. Gemeinsam haben wir den Workshop erarbeitet um selbst von unseren Geschichten, unseren Vorbildern zu erzählen und im Forumtheater in einen Dialog über Diskriminierung zu kommen um gegen Diskriminierung von Rom_nja zu sensibilisieren. Wichtig dabei ist, dass wir als Betroffene auch die Expertinnen zum Thema sind.

4. Struktureller Rassismus und der Mordfall Burak B. in Neukölln: Kampf um Aufklärung und Erinnerung
Mitglieder der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B.

Am 5. April 2012, einige Monate nach der Selbstenttarnung des NSU, unterhält sich der 22jährige Burak mit einigen Freunden an einer Straßenecke in Neukölln. Ein Unbekannter tritt auf die Gruppe zu und schießt wortlos auf die jungen Männer. Zwei von ihnen überleben schwer verletzt, Burak stirbt. Der Täter entkommt unerkannt und ist bis heute nicht gefasst. Was spricht dafür, dass es sich um einen rassistischen Angriff gehandelt hat? Welche Herausforderungen gibt es im Kampf um Aufklärung und Erinnerung? Wie kann ein sichtbares Gedenken im öffentlichen Raum aussehen?

5. Wie wirken sich verschiedene Diskriminierungsformen an Schulen aus und wie muss ein umfassender Diskriminierungsschutz gestaltet werden?
Aliyeh Yegane und Julia Mi-ri Lehmann, Anlaufstelle für Diskriminierungsschutz an Schulen (ADAS)

Rassistische Diskriminierung findet in Schulen auf verschiedenen Ebenen statt und zeigt sich entsprechend unterschiedlich: als direkte, indirekte und strukturelle Diskriminierung oder als Verweigerung eines Nachteilsausgleichs, wie beispielsweise der Hinzuziehung von Sprachmittler*innen für nichtdeutschsprachige Eltern bei Schulkonferenzen. In dem Workshop werden die verschiedenen Diskriminierungsebenen und deren Zusammenhänge erkundet. Es werden  Ansatzpunkte, um Diskriminierung in Schulen institutionell  – nämlich allen Ebenen – entgegenwirken zu können, vorgestellt und diskutiert.

6. Willkommenskultur in Berliner Schulen? Bildungsrechte und -chancen von geflüchteten Kindern und Jugendlichen
Guido Siegel, Landesausschuss für Migration, Diversität & Antidiskriminierung in der GEW-Berlin

In sogenannten „Willkommensklassen“ sollen Schüler_innen, die ohne oder mit wenig deutschen Sprachkenntnissen neu nach Berlin kommen, auf den Regelunterricht vorbereitet werden. Die Zahl dieser Klassen ist in den letzten Jahren massiv angestiegen. Wie ist die aktuelle Situation in den Schulen in Bezug auf diese Klassen? Wer unterrichtet diese Schüler_innen? Welche Schwierigkeiten ergeben sich aus der exklusiven Beschulung? Inwiefern muss von einer institutionellen Diskriminierungen von Schüler_innen und Lehrkräften in diesen Lerngruppen ausgegangen werden? Welche Alternativen sind wünschenswert? Der Workshop thematisiert v.a. die Probleme aus Perspektive der Lehrkräfte.

15:00 Uhr: Workshop-Phase II

1. Diversität und Interkultur im Mieterprotest
Treffen/Rundgang mit der Mietergemeinschaft Kotti & Co.

Die Mietergemeinschaft Kotti & Co errichtete im April 2012 ein Gecekondu-Protesthaus (türk.: „über Nacht gebaut”) am südlichen Kottbusser Tor in Berlin Kreuzberg, um gegen die hohen Mieten im sozialen Wohnungsbau und die Verdrängung der Armen aus der Innenstadt zu protestieren. Verbunden mit umfangreichen Protestaktionen, dem Organisieren von Fachexpertise und vielen anderen Formaten formierte sich die Initiative zu einem der zentralen Verhandlungsorte einer neuen Miet- und Stadtentwicklungspolitik sowie der Themen Migration, Rassismus und Armut. Die Mitglieder der Gruppe sind größtenteils BewohnerInnen des Kottis und eben so divers. Wenn es in der Migrationsgesellschaft um Teilhabe geht, dann ist aus der Perspektive von Kotti & Co die Wohnungsfrage einer der zentralen Punkte. Wer eine offene, diverse und interkulturelle Gesellschaft will, muss auch die Vorraussetzungen schaffen, dass Menschen unterschiedlichster Biografien sich im urbanen Raum begegnen. Im Workshop möchte die Mietergemeinschaft hierfür sensibilisieren.

2. Neukölln zwischen Stereotyp und Selbstwahrnehmung
Rundgang mit Emine Elci, Neuköllnerin, (Stadtteil-)Mutter und Mitarbeiterin von Kultur bewegt e.V.

Als Mutter von fünf Kindern sowie in ihrer Arbeit als Sozialassistentin, Stadtführerin und ehemalige Stadtteilmutter begegnet die Neuköllnerin Emine Elci immer wieder negativen Stereotypen und Diskursen über ihren Heimatbezirk. Häufig geht es dabei um „bildungsferne Migranten vs. bildungsorientiere Deutsche“, „Ausländer, die kein Deutsch sprechen können“ und der „Bedrohung des Abendlandes durch das Kopftuch“. Emine spürt und beobachtet die diskriminierenden Konsequenzen solcher Sichtweisen auf vielfältige Weise und unterschiedlichen Ebenen. Es ist ihr deshalb ein Anliegen, mit negativen Stereotypen zu brechen und neue Perspektiven auf ihre Nachbarschaft zu werfen. Mit den Workshop-Teilnehmenden möchte sie den Dialog an drei verschiedenen Orten aufnehmen: Im deutsch-arabischen Bildungs- und Integrationszentrum (DAZ e.V.), dem Nachbarschaftsverein „Aufbruch Neukölln e.V.“ sowie in der Said’i-Kurdi-Moschee.

3. Rechtliche und strukturelle Diskriminierungen und Hürden beim Zugang zu Bildung für Geflüchtete
Mitglieder von Jugendliche ohne Grenzen

Diskriminierung beginnt schon mit dem Status. Das neue Schuljahr hat begonnen, doch viele geflüchtete Kinder, Jugendliche und Heranwachsende sind außen vor. Für sie herrscht Lageralltag statt Schulalltag – obwohl sie seit Monaten, zum Teil schon über einem Jahr in Deutschland leben. Bundesweit sind zehntausende junge Menschen betroffen.
Diese Praxis ist ein gleich mehrfacher Rechtsverstoß. Das Recht auf Bildung ist ein Grundrecht. Es ist im Artikel 28 der UN-Kinderrechtskonvention, in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union und auch in Art. 14 der EU-Aufnahmerichtlinie (2013/33) festgeschrieben. Wir von Jugendliche ohne Grenzen fordern: Schule für alle – ohne Ausnahmen. Im Workshop werden wir unsere Forderungen weiter ausführen und auf die konkrete Situation von geflüchteten Kindern und Jugendlichen im deutschen Schul- und Bildungssystem eingehen. 

4. Mehrsprachigkeit, Empowerment & Be-Stimmen: Interventionen gegen Diskriminierung von (geflüchteten) Kindern und Jugendlichen entwickeln – alle sind gefragt
J.K. Langford, Trainerin/Dozentin und Koordinatorin bei Movements

Die Situation von (unbegleiteten) geflüchteten Jugendlichen in den Schulen kristallisiert die systemische Diskriminierung bzw. Unterförderung, die in der Regel PoC-Kinder und Jugendliche im deutschen Bildungssystem seit Generationen erleben. In diesem Workshop schauen wir nach Interventionen. Alle sind beteiligt; alle sind Teil der Änderung. Einladungen zum ‚kreativen Kneten‘ (mit Impulsen aus der Kinderrechtskonvention & multimedialen Empowerment Ansätzen):
> Was passiert, wenn wir unser Verständnis von Mehrsprachigkeit umkrempeln? Könnte dies zu tiefen Änderungen im Schulwesen als Lern- und Lehrort wie auch als gesellschaftlicher und gemeinschaftlicher Rahmen führen? Wie könnte dies konkret aussehen?
> Wie könnte ein breites Spektrum von Akteuren aus der Schulgemeinschaft (inklusiv Familien) wie auch z.B. aus der Nachbarschaft sich daran beteiligen? Wie könnte ein grober konkrete Entwurf dessen aussehen?

5. #Beschwerdestelle#Schule#Kita – Argumente für eine unabhängige Beschwerdestelle gegen Diskriminierung in Schule und Kita in Berlin
Maryam Haschemi Yekani und Carsten Ilius, Rechtsanwält_innen und BeNeDisk-Mitglieder

Es ist sehr schwierig, sich gegen Diskriminierung an der Schule rechtlich zu wehren. Das hat verschiedene Gründe: u.a. Gesetze, die die Diskriminierten nicht ausreichend schützen, Beweisschwierigkeiten wegen der Machtstruktur an Schulen und rechtliche Verfahren, die nicht auf diese speziellen Probleme rassistischer Diskriminierung an Schulen ausgerichtet sind.

In dem Workshop sollen diese Probleme des Rechtsschutzes gegen Diskriminierung besprochen werden und im Anschluss daran diskutiert werden, inwieweit eine unabhängige Beschwerdestelle gegen Diskriminierung an Schulen in Berlin zu der Lösung des Problems beitragen könnte.

Maryam Haschemi und Carsten Ilius arbeiten als Rechtsanwält_innen für Schüler_innen, die an Schulen rassistische diskriminiert werden. Sie sind Mitglieder von BeNeDisk, dem Berliner Netzwerk gegen Diskriminierung an Schulen. BeNeDisk hat in diesem Jahr ein Positionspapier zur Einrichtung einer unabhängigen Beschwerdestelle vorgestellt. Für die GEW haben die beiden Anwält_innen darüber hinaus ein Rechtsgutachten hinsichtlich der Einrichtung einer solchen Beschwerdestelle geschrieben.

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